Social Networks lieben Hypes. Dieses Jahr wird ja das Jahr des SoLoMo. Vermutlich wieder ein toller Begriff aus überteuerten Socialmedia-Seminaren. Man äussert sich mit dessen Verwendung als Kenner. Oder Nachplapperer. Egal. Social Networks lieben Hypes. Ob dieses Jahr so klar von SOcial LOcal und MObile leben wird oder ob einfach zig Seminare und Workshops dieses Thema hypen werden, ist noch unklar.
So. Lösche die Path-App wieder, bringt mir nix.
— David Worni (@dworni) Januar 18, 2012
Gestern löschte ich die wunderschöne Path App auf meinem iPhone, nachdem ich mehr als 500 Posts darüber gemacht habe. Ich probiere gerne neue Dinge aus, meistens gerne gleich mal so richtig vollgas.
Path ist cool gemacht, das Designteam hat einen neuen Controller erfunden der easy mit dem Daumen bedient werden kann. Vermutlich sind schon zig Billigappentwickler daran, diesen Conroller zu kopieren, wir freuen uns alle darauf.
Die Idee von Path haben viele nicht kapiert, man vernetzte sich wieder mit allen die eine Anfrage schickten, sammelte “Follower” wie man sichs so gewöhnt ist. Dabei wäre die Grundidee von Path ja die, dass man seine Momente nur mit einem engen Kreis von Freunden und Verwandten teilen würde.
Wäre. Mir war von Anfang an klar, dass diese Idee für mich und viele andere so nicht funktionieren würde. Meine engsten Freunde sind nicht auf Path, meine Verwandschaft nutzt nur teilweise gerade mal facebook. Also nutzen: sie antworten nach 3 Wochen wenn man ihnen einen Nachricht schickt. Wir hier in der Schweiz entsprechen wohl noch nicht der heilen Ami-Familie.
Path alleine als Crossposting-App zu benutzen macht für mich keinen Sinn, dafür nutze ich z.B. bufferapp oder andere Tools. Zudem ist Crossposting grundsätzlich eher scheisse, warum soll man auch auf Twitter und facebook den gleichen Content dem gleichen Publikum gleichzeitig veröffentlichen?
Versteht mich nicht falsch: ich war von Anfang an begeistert von Path, die App inkl. allen Funktionen ist super durchdacht (die meisten aber werden nie um die Funktionen wie “Top-Songs einer Künstlers anzeigen” wissen, da sie nicht offensichtlich sind).
Jetzt kommen wir zum LOcal: Gowalla ist tot, schade drum. Wer mich länger kennt weiss, dass ich zu der Gowalla-Seite gehörte. Gowalla war schöner als foursquare, bei Gowalla gabs Items an Checkins zu sammeln und zu droppen, es war ein geheimnisvolles Spiel. Allerdings entwickelte sich diese Spiel nicht weiter, das Potential wäre gross gewesen. Da alle Foursquare nutzten gabs auch bald mehr foursquare-Spots, also wechselte ich zu foursquare. Ich fand das Design immer noch langweilig wie eine Excel-Tabelle, aber egal.
Heute ist Gowalla tot (oder wird es wohl bald sein, wurde von facebook aufgekauft), foursquare wird auch nicht mehr so genutzt wie vielleicht vor einem Jahr (ich habe keine Statistiken in der Hand, das sagt mir mein Bauchgefühl und meine Twittertimeline, welche weniger foursquare-Checkins enthält als damals).
Die Schweiz hat Gowalla und Foursquare verpennt, dieses LOcal wird an uns auch im Jahr 2012 vorbeiziehen, während man in NY mit Checkins Muffins abstauben kann.
Warum soll man auch seine Location sharen? Ich dachte ich fände das raus. Doch weder facebook, Gowalla, foursquare oder Path gab mir schlussendlich eine Idee, was ich denn genau von diesen Checkins haben soll. Apple entwickelte eine App “Freunde finden”. Habe ich auch schon probiert, am Zibelemärit in Bern, um einen Freund zu finden. Fazit: noch unbrauchbar.
Haben wir uns nicht langsam sattgesehen an verdreckten Instagram-Bildern? An Food-Fotos, welche aussehen wie gequirlter Spinat mit vertrockneten Schuhsohlen?
Was wir brauchen sind Automatismen welche uns neue Dinge, Menschen und cooles Zeug entdecken lassen. Wir brauchen Apps, welche intelligent sind, Dienste welche uns nicht Katzen vorschlagen die einem “ähneln”, wir brauchen Ideen für Soziale Netzwerke und keine Abklatsche wie Microsofts So.cl-Network, welches schon tot ist bevor es überhaupt lebt. Wir brauchen intelligente Software, die uns im Clustern des Internets hilft. Die uns Mehrwert bringt. Oder wenn etwas sinnlos ist, muss es zumindest Spass machen.
Papiervolk. Bei den Griechen war es damals so, dass nur die Männer mit dicken Bäuchen und auch die mit Sixpacks an Volksversammlungen teilnehmen durften. Die Frauen hingegen durften daheim schön bemalte Vasen geschirrspülen, damit diese später als Souveniers verkauft werden konnten. Aber das ist eine andere Geschichte.
Eigentlich will ich mich aber aufgrund tiefer Temperaturen draussen, hier drinnen vor euren Bildschirmen wieder aufs Glatteis wagen, nachdem ich mich letztmals als Nichtzeitungsleser übers Zeitungssattlesen geäussert habe. Wie man im toll gemachten Bloggerfilm nachschauen kann, sollen solche Posts ja durchaus auch einen Beitrag zur Eigenbildung leisten.
Die Bürgerlichen Dinge
…nannten die Griechen aus platzsparenden Gründen «Politik». Eine Thema, welches ich als Teil einer Zeitung usuell weglege. Das hat verschiedene Gründe. Oder vielleicht auch nur einen: ich wurde nicht so erzogen, dass ich mir der wahrscheinlich vorhandenen Wichtigkeit der Politik bewusst wäre und mich dadurch für sie genügend interessieren würde. Ob ich dafür meinen Eltern und meinen Lehrern danken soll oder nicht: es ist so, ich bin nicht stolz darauf und ein wenig kneift mein linker kleiner Zeh.
Also ist es nicht verwunderlich, dass ich gewöhnlich nicht abstimme, obwohl mir diese Freiheit (im Vergleich zu anderen Ländern) ja zustehen würde. Ich dürfte meinen Daumen nach oben oder unten richten, bei Abstimmungen, Wahlen, Initiativen und Referenden (was Referenden sind weiss ich nicht, aber es klingt dann so, als hätte ich etwas recherchiert).
Liebe Leser, nehmt es mir ruhig übel, dass ich in meinem Leben erst ein paarmal Papier zur Urne brachte (und dann auch nicht aus Eigenmotivation). Aber ihr könnt ja trotzdem mal weiterlesen. Fuck, ich komme mir vor wie im Mathematikunterricht. Man muss sich für Politik immer innerlich so aufrecht hinsetzen, damit die Gedanken nicht aus dem Hirn purzeln. Ich mach mal ne Überleitung mittels eines Titels zum eigentlichen Thema:
E-Voting, jede Stimme zählt
Kreisch. An dieser Stelle könnte ich euch jetzt unten via Kommentare ein weisses Papier lassen. Mache ich auch gleich, vorher erwähne ich aber, dass ich im Sommer 2009 auf der damals neu gelaunchten Internet-Plattform Politnetz eine sogenannte Debatte zum Thema Online-Voting startete. Ich schrieb da Folgendes (ich war damals noch jung):
Endlich online abstimmen: Ich finde es grausam veraltet, dass Abstimmungen immer noch via Zetteli und Urne von statten gehen. Es gab ja bereits einige Testprojekte die das digitale Abstimmen versuchten. Kann es denn wirklich (zu Zeiten von Onlinebanking!) so schwer sein, endlich der Generation von heute ein anständiges Abstimmungsportal hinzustellen. Die Stimmbeteiligung würde sich doch drastisch erhöhen.
Mehr oder weniger spannende Meinungen wurden dazu gepostet, nachlesen könnt ihr diese, zuunterst findet ihr einen Link.
Die Angst, Gesetze nicht einhalten zu können
Die Grundproblematik beim Thema E-Voting besteht scheinbar einerseits darin, dass unsere Computer noch im Zeitalter der Griechen sind und mit Trojanern zu kämpfen haben, andererseits eine Komplexität erreichten, welche für den gemeinen Menschen nicht mehr im Detail nachvollziehbar ist. Oder vielleicht hat die Problematik auch nicht nur zwei Seiten, sondern überdies eine Dritte: die Gesetze der Demokratie schreiben bei Abstimmungen, abgesehen von der Sicherheit, verständlicherweise Transparenz und Anonymität vor. Zwei Vorgaben, welche einander offensichtlich konkurrieren und an denen bis heute viele E-Voting-Systeme nachlesbar gescheitert sind.
Und jetzt wäre ich mit meiner Einleitung da angekommen, wo ich hinwollte: Argumente, dass wir es heute zu Zeiten von E-Banking und verschlüsselten Signaturen es nicht fertigbringen, die Sicherheit im Bezug auf die Identitätskontrolle zu gewährleisten, lasse ich nicht gelten.
Der nächste Punkt Transparenz ist ein Unterpunkt der Sicherheit und soll es uns (in diesem Fall mit Recht) misstrauischen Menschen ermöglichen, bei einem Betrugsverdacht das Telefon in die Finger nehmen zu können und zu sagen “Grüessech, ich glaube das Abstimmungsresultat vom Sonntag gestern stimmt so nicht, da wurde beschissen. Ich möchte gerne alle Stimmzettel zählen kommen, passt es ihnen morgen?”. Das ist eine ganz tolle Möglichkeit, welche uns da zur Verfügung steht. Und ich frage mich aber nur, ob dieses Potenzial alleine bereits reicht, um Missbrauch beim Papier-Voting zu verhindern?
Der dritte Punkt Anonymität, welcher den Votingsystem-Programmierern wohl am meisten Kopfgeschwüre verursacht, ist wieder ein Unterpunkt der geforderten Möglichkeit, bei Verdacht Einsicht in die abgegebenen Stimmen zu erhalten. Man muss sich hier bei Softwarelösungen auf kryptographische Algorithmen und der Existenz von gutem Zufall im Computer verlassen, welche die Identität einer Stimme einerseits verschleiern, rückwärts aber nachverfolgt werden kann, dass diese eben nicht vom Cyberhacker_87 stammt.
So, das wäre laut meiner unbezahlten Recherche mal der Stand Dezember 2010 im Bezug auf E-Voting in der Schweiz. Dazu erwähnen müsste ich noch, dass es im Kanton Zürich Versuchsgemeinden gibt, welche bereits heute mittels eines Testsystems abstimmen. Scheinbar aber steht es da um die Transparenz des digitalen Apparates noch nicht so gut.
Zu faul fürs Papier?
Weniger als die Hälfte der Menschen in der Schweiz, welche ihren Senf zu politischen Entscheiden dazugeben könnten, tun dies nicht. Ein grosser Teil jener, die dies nicht tun, seien jüngere Menschen. Die twittern und bloggen lieber und treten Facebookseiten bei, wo sie kundtun, dass sie Diesem oder Jenem stundenlang in die Fresse hauen und treten können. Warum setzt man nicht genau da an?
E-Voting braucht aus meiner Sicht gute Technik, aber auch Anpassungen in den Gesetzen zur Abstimmung. Bis es soweit ist, könnte man uns ja wenigstens bereits bei Initiativen digital abstimmen lassen. Daumen hoch für eine moderne Demokratie in der wir motiviert werden, die Politik auch in die Hände zu nehmen, wenn sie schon greifbar ist. Denn solange wir nur auf dem Holzweg abstimmen können, ist da sicher nicht nur für mich der Wurm drin.
Links zum Thema
E-Voting: Ohne Vertrauen, um jeden Preis
Anti-Wahlcomputer-Petition vom Chaos Computer Club Berlin
PiVote - eVoting Stystem der Piratenpartei Schweiz
Meine gestartete Debatte onlinevoting.politnetz.ch
Hitliste: Hier wohnen die nachlässigsten Stimmbürger der Schweiz
Meine abhandengekommene Lust abzustimmen
Interview mit Peter Bichsel «Blocher will die ganze Schweiz»
Eine Frage an die Massen. Die stellte ich, vor etwa einer Stunde. Via formspring.me/dworni schrieb ich anonym an alle Accounts denen ich folge eine Frage. Und zwar in etwa diese bekannte «Welches Buch würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?» - nur leicht moderner: Der Weltuntergang naht, das Internet versinkt, halleluja. Hier die Frage:
Gut, das ist jetzt so eine Massenfrage an alle Dings hier, äh Friends, wie das hier so schön heisst: das Internet versinkt unter Wasser, du hast gerade noch Platz für eine Website auf deinem USB-Stick. Welche rettest du für die Nachwelt auf die Arche?
Naja, ich gebe es zu, die Frage ist für Manche weniger spannend als irgendwelche anonymen Unzüglichkeiten. Die Antworte war erwartungsgemäss so ziemlich bei allen wikipedia.com (hätte ich wohl auch geschrieben). Einige hielten ihren eigenen Blog als die wichtigste Seite des Internets. Kann man machen.
Warum ich das jetzt aber hier zu einem Blogbeitrag verwurstle: so simpel das Tool formspring auch ist, ich war erstaunt ob der raschen Antwortszeit auf meine Frage. Innert einer Stunde erhielt ich 22 Antworten. Klar, an einem Freitagabend um 23 Uhr hätte das nicht hingehauen. Aber heute ist ja Montag. Uns stellt euch vor, ich würde da 3000 Menschen folgen.
Die beste Antwort kam übrigens von @hosae: schwimmen.com (also mehr sinnesgemäss, da drauf ist nix), die Zweitbeste von @bugsierer: www.daxo.de. Oder die Drittbeste von @chicundschlau: «flickr. damit die menschen noch wissen wie die welt vorher aussah».
So. Und es tut mir echt leid, habe ich euch die Frage anonym gestellt. Aber jetzt wisst ihrs ja. Danke fürs Mitmachen. Danke Internet. Danke Mamma.