29.1.12

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Verreisen macht glücklich. Es ist kalt und die Sonne scheint, Möven kreischen ihr langgezogens “iiiii-iiiiii” und es riecht nach Holzfeuer. In der Einkaufsstrasse spielt ein Strassenmusiker U2 und Tauben warten beim Hotdogstand auf Kundschaft. Die Häuser glänzen mit ihren romantischen Steinfassaden in der Morgensonne wie Kulissen aus einem Wikingerfilm, Kinder in violetten und roten Schuluniformen rennen sich hänselnd Richtung Schule. Welcome to Chichester.

In 50 Minuten gelangt man via Himmel von der Schweiz nach England. So lange braucht man mit dem Zug von Zürich nach Bern. Mit dem kleinen Unterschied, dass hier in England bereits schon vieles anders ist. Abgesehen von der Sprache und den Charakterzügen der Menschen, lebt man hier einfach anders. Und wie ich bereits im letzten Post übers Harrypotterland schrieb: ich mag dieses anders. Ich mag diese riesigen Pubs, welche mit 6 cm dickem Teppich und durchnummerierten Tischen ausgestattet sind. Alle essen hier Fish & Chips. Die Männer schütten sich dazu pintweise Bier ins Gesicht, fertig ist der Familienauflug. 

Meine Familie reiste viel als ich klein war. Wir versuchten gar nach Australien auszuwandern. Vielleicht finde ich heute mit jeder Reise heraus, dass mich mein ursprüngliches Verlangen nach “irgendwann mal auswandern” getäuscht hat. 

Es liegt alles so nah weil die Schweiz klein ist. Was wir in der Schweiz haben ist Luxus. Und wenn wir uns täglich daran erinnern, wie gut es uns geht, können wir wohl nicht anders, als glücklich lächelnd das Leben zu geniessen. Vermutlich müssten wir uns das einfach mal an den Kühlschrank schreiben.

Social Networks lieben Hypes. Dieses Jahr wird ja das Jahr des SoLoMo. Vermutlich wieder ein toller Begriff aus überteuerten Socialmedia-Seminaren. Man äussert sich mit dessen Verwendung als Kenner. Oder Nachplapperer. Egal. Social Networks lieben Hypes. Ob dieses Jahr so klar von SOcial LOcal und MObile leben wird oder ob einfach zig Seminare und Workshops dieses Thema hypen werden, ist noch unklar.

Gestern löschte ich die wunderschöne Path App auf meinem iPhone, nachdem ich mehr als 500 Posts darüber gemacht habe. Ich probiere gerne neue Dinge aus, meistens gerne gleich mal so richtig vollgas.

Path ist cool gemacht, das Designteam hat einen neuen Controller erfunden der easy mit dem Daumen bedient werden kann. Vermutlich sind schon zig Billigappentwickler daran, diesen Conroller zu kopieren, wir freuen uns alle darauf.

Die Idee von Path haben viele nicht kapiert, man vernetzte sich wieder mit allen die eine Anfrage schickten, sammelte “Follower” wie man sichs so gewöhnt ist. Dabei wäre die Grundidee von Path ja die, dass man seine Momente nur mit einem engen Kreis von Freunden und Verwandten teilen würde. 

Wäre. Mir war von Anfang an klar, dass diese Idee für mich und viele andere so nicht funktionieren würde. Meine engsten Freunde sind nicht auf Path, meine Verwandschaft nutzt nur teilweise gerade mal facebook. Also nutzen: sie antworten nach 3 Wochen wenn man ihnen einen Nachricht schickt. Wir hier in der Schweiz entsprechen wohl noch nicht der heilen Ami-Familie.

Path alleine als Crossposting-App zu benutzen macht für mich keinen Sinn, dafür nutze ich z.B. bufferapp oder andere Tools. Zudem ist Crossposting grundsätzlich eher scheisse, warum soll man auch auf Twitter und facebook den gleichen Content dem gleichen Publikum gleichzeitig veröffentlichen?

Versteht mich nicht falsch: ich war von Anfang an begeistert von Path, die App inkl. allen Funktionen ist super durchdacht (die meisten aber werden nie um die Funktionen wie “Top-Songs einer Künstlers anzeigen” wissen, da sie nicht offensichtlich sind). 

Jetzt kommen wir zum LOcal: Gowalla ist tot, schade drum. Wer mich länger kennt weiss, dass ich zu der Gowalla-Seite gehörte. Gowalla war schöner als foursquare, bei Gowalla gabs Items an Checkins zu sammeln und zu droppen, es war ein geheimnisvolles Spiel. Allerdings entwickelte sich diese Spiel nicht weiter, das Potential wäre gross gewesen. Da alle Foursquare nutzten gabs auch bald mehr foursquare-Spots, also wechselte ich zu foursquare. Ich fand das Design immer noch langweilig wie eine Excel-Tabelle, aber egal.

Heute ist Gowalla tot (oder wird es wohl bald sein, wurde von facebook aufgekauft), foursquare wird auch nicht mehr so genutzt wie vielleicht vor einem Jahr (ich habe keine Statistiken in der Hand, das sagt mir mein Bauchgefühl und meine Twittertimeline, welche weniger foursquare-Checkins enthält als damals).

Die Schweiz hat Gowalla und Foursquare verpennt, dieses LOcal wird an uns auch im Jahr 2012 vorbeiziehen, während man in NY mit Checkins Muffins abstauben kann.

Warum soll man auch seine Location sharen? Ich dachte ich fände das raus. Doch weder facebook, Gowalla, foursquare oder Path gab mir schlussendlich eine Idee, was ich denn genau von diesen Checkins haben soll. Apple entwickelte eine App “Freunde finden”. Habe ich auch schon probiert, am Zibelemärit in Bern, um einen Freund zu finden. Fazit: noch unbrauchbar.

Haben wir uns nicht langsam sattgesehen an verdreckten Instagram-Bildern? An Food-Fotos, welche aussehen wie gequirlter Spinat mit vertrockneten Schuhsohlen?

Was wir brauchen sind Automatismen welche uns neue Dinge, Menschen und cooles Zeug entdecken lassen. Wir brauchen Apps, welche intelligent sind, Dienste welche uns nicht Katzen vorschlagen die einem “ähneln”, wir brauchen Ideen für Soziale Netzwerke und keine Abklatsche wie Microsofts So.cl-Network, welches schon tot ist bevor es überhaupt lebt. Wir brauchen intelligente Software, die uns im Clustern des Internets hilft. Die uns Mehrwert bringt. Oder wenn etwas sinnlos ist, muss es zumindest Spass machen. 

27.12.11

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Gold Master Hotelier und Social Media Aficionado 2011. Hiermit verpulvere ich mein komplettes 2011er-Jahresrückblick-Dings-des-Jahres-Auszeichnungs-Pluver. Jahresrückblicke sind mir eigentlich so egal wie die Antwort auf die Frage, wieviele Einwohner Oberbuchsiten hat (es sind exakt 1904). Einige unter euch besitzen das Wissen um meine rege Onlineaktivität und können sich vielleicht vorstellen, dass ich mich nicht täglich für die Spitze des zwischenmenschlichen Social Media Eisberges halte, sondern ab und zu auch zu einem Kilimanscharo hinaufschiele. Oder rüberschiele. Wir wollens ja nicht gleich übertreiben, hehe.

Letztes Jahr konnte ich nicht anders und vergab via Twitter den Titel Persönlicher Twitterer 2010 an Ray Kroebl (weil er immer mit den richtigen 140 Zeichen zur Stelle ist, wenn mal Not am Mann oder der Frau ist, für seine Gastfreundschaft, weil er das Leben so geniesst wie er es will, er ein Super Koch zu sein scheint (leider kam ich bislang nur in den Genuss seiner Food-Twitpics). Er schreibt DMs wenn nötig, ist da für den kleinen Twitterkuchen Schweiz (und sicher auch über dessen Kuchentellerrand hinaus). Kurz: er war 2010 mein Twitterkönig)).

Dieses Jahr geht meine Auszeichnung ganz klar an Thomas Frei @cigarman_ch. Also mit Abstand. Und Verlaub. Er ist Hotelier des Hotel Bernerhof in Gstaad, bespeist Twitter und Facebook mit den herrlichsten Wanderteaserbilder, oft kommt auch ein Biber zu tode, er ist der digitale Wilhelm Busch des Berner Oberlandes, ja er kommt vor lauter Langeweile auf grossartige Ideen, welche selbst in der Presse für offene Münder sorgen. Er fotobestückte und textete auch seinen Hotelprospekt selber, weil ers kann. Und das besser als jeder dahergelaufene Profi. Thomas Frei heisst nicht nur Frei, er gibt einem irgendwie das Gefühl, dass da oben in Gstaad ein Stück Freiheit für jeden zwischen Kuhpflütter und meterdicken Scheedächern liegt, dass die Sonne dort oben grundsätzlich immer scheint und das Glück somit um die Ecke im Berner Oberland liegt.

Somit geht der diesjährige @dworni-Preis Gold Master Hotelier und Social Media Aficionado 2011 an den besten Hotelier den ich je sah, den wohl von mir meistkommentierten Businesspage-Facebookupdater und stets braungebrannten Marathonläufer und ausgezeichneten Zigarrenliebhaber an Thomas Frei. Weil er ihn verdient hat. Mehr als jeder andere Thomas Frei.